Wilhelm ‚genannt Willi over the Top‘ Topsch – Alle Kinder lernen lesen

Lernen eigentlich wirklich und wahrhaftig alle Kinder lesen?

Aber ja doch! Dies zumindest versucht uns ein gewisser Wilhelm Topsch, der übrigens im WWW als genialer Pädagoge abgefeiert wird, mit seinem überaus bahnbrechenden Kinderlied „Alle Kinder lernen lesen“ zu suggerieren.

Dabei bedient sich der gute Mann einer nahezu lückenlos ausgetüftelten Argumentationskette, die so viel Weltverständnis und Wortgewandtheit in sich beherbergt, dass man meinen könnte, er sei die Reinkarnation der Gebrüder Humboldt in einer Person.

Aber der Reihe nach: Am Anfang steht also besagte starke These (die übrigens genialerweise gleichzeitig den Titel des Liedes darstellt und dessen Chorus einleitet) „Alle Kinder lernen lesen“. Diese These ist für Topsch anscheinend so stark, dass er vor lauter Überraschung über seine eigene Geilheit sogleich in der nächsten Zeile vergisst diese in Relation zu der vorangegangen zu stellen. So folgt ein schlichtes „Indianer und Chinesen“.

Was aber ist hier gemeint? Dass AUCH die Kinder von Indianern und Chinesen lesen lernen? Dass ALLE es tun, außer die Zöglinge dieser beiden Gruppen? Und warum werden diese beiden Ethnien (gehen wir der Einfachheit halber mal davon aus, dass sich der gute Herr Topsch mit „Chinesen“ auf die Ethnie und nicht auf die Staatsbürger Chinas bezieht, sonst müsste man natürlich noch darüber diskutieren, warum hier Äpfel mit Birnen verglichen würden) herausgegriffen? Weil man es genau von ihnen nicht erwarten würde, dass diese sich mit dem Erlernen von Schrift und Sprache beschäftigen?

In der nächsten Zeile ist dann wenigstens ein adverbialer Bezug vorhanden und somit ist eindeutig zu erkennen, dass Herr Topsch es offensichtlich für bemerkenswert hält, dass „selbst am Nordpol alle Eskimos lesen“. Vermutlich meinte er aber hier mit „Nordpol“ den arktischen Lebensraum und mit „Eskimos“ die Polarvölker, die sich ja nun absolut nicht sämtlich aus Eskimos zusammensetzen.

Bei derart vielen sprachlichen und inhaltlichen Verfehlungen fragt man sich zwangsläufig wo der pädagogische Nutzen dieses Leid-Pardon-Liedgutes denn sein soll, von dem im Internet immer so viel die Rede ist!?

Klar! Er muss in den Strophen versteckt sein! Und so endet der Chorus mit einem Weckruf an unsere kleinen Nachwuchsleseratten: „Hallo Kinder jetzt geht’s los!“ (Bleibt nur zu hoffen, dass die kleinen Racker auch tatsächlich erst an dieser Stelle aufgeschreckt sind und so dem vorangegangen Unsinn entgangen sind)

Also alle Ohren auf die Strophen:

„“A“ sagt der Affe, wenn er in den Apfel beißt. „E“ sagt der Elefant, der Erdbeeren verspeist. „I“ sagt der Igel wenn er in den Spiegel sieht, usw.“

Okay, also über den inhaltlichen Sondermüllstatus dieser Verse gibt es sicherlich keine zwei Meinungen mehr, aber immerhin:

Der pädagogische Nutzen dieses Liedes scheint darin zu bestehen, den sicherlich Mr.Spock-artig gespitzten Kinderohren die fünf Vokale näherzubringen, wobei Willi Topsch gleich einen Schritt weitergeht und nach Abschluss der Vokalreihe (übrigens mit gleich doppelter Nennung des Vokals ‚O‘) auch noch die Umlaute ins Spiel bringt!

Einfach genial! Dem kulturellen Verfall ist hiermit ein für alle Mal Einhalt geboten!

Im Übrigen kursiert im Netz auch noch eine weitere Version des Liedes und zwar von einer Künstlerin namens „Ina Colada“, die ihre eigene Après-Ski-Version dieses Krachers herausgebracht hat. Absolut hörenswert und ab 3 Promille tut’s sicherlich auch nicht mehr ganz so weh!

Ina Colada posiert stolz vor ihrem Lebenswerk

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter le pissoir

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s