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Baroness 2012 – Part 2: Baroness @ Räucherkammer Wiesbaden, 25.07.2012

Pssssst! An alle passionierten Saunagänger! Geheimtipp: Räucherkammer Wiesbaden! Im Sommer! Ausverkauftes Konzert besuchen! Do it! Now!

Zugegeben, das dort vorherrschende Aroma erinnert weniger an atemwegsbefreiende Honigaufgüsse denn an das Innere eines Zeltes nach 5 Tagen Festival, in dem sowohl sexuelle als auch alkoholische Exzesse abartiger Natur abgelaufen sind. Dennoch öffnen sich beim Betreten des kleinen Clubs im unmittelbaren Dunstkreise des Schlachthofes bereitwillig sämtliche Poren und lassen in reißenden Strömen austreten was zuvor, auf welche Weise auch immer, dem Körper zugeführt wurde.

So zuletzt persönlich erlebt beim Auftritt von Baroness am 25. Juli diesen Jahres. Geschätzte Außentemperatur: 28 Grad. Geschätzte Innentemperatur: 40 Grad (bei gefühlten 50, ob der übertrieben hohen Luftfeuchtigkeit).

Kurz nach’m Anstoß schon bereit für nen Trikotwechsel: Matt Maggioni von Baroness

Trotz  – oder vielleicht auch gerade wegen – der hastigen Bemühungen unsererseits die austretende Flüssigkeit in Form von Weizenbier dem Körper schnellstmöglich wieder zuzuführen, sind an diesem Abend einige Liter Niederschlag pro Person als schmieriger Glitschfilm auf den Fliesen der Räucherkammer unwiederbringlich zurückgelassen worden. Ebenfalls verlustig gingen: 100.000 Gehirnzellen, 2% Hörvermögen, 5% Schuhsohlensubstanz sowie sämtliche zuvor in der Geldbörse befindlichen Rückstände des symbolisch generalisierten Kommunikationsmediums namens „Geld“. Diese Angaben verstehen sich pro Person, Netto.

Kurzum: War’n geiler Abend!

Auch und vor allem weil Baroness trotz des tropischen Klimas ihr Programm (scheinbar) unbeeindruckt und lässig aus dem Ärmel schüttelten wie Fips Asmussen flache Gags oder Markus Lanz hohle Phrasen. Dass es ihnen dann doch nicht ganz so leicht gefallen ist, wie es den Anschein hatte, zeigt das Kurzinterview von Perverted|Playlist welches wir kurz nach dem Auftritt mit John Baizley führten:

Perverted Playlist: John, may I ask you a question?
John Baizley: You may ask!
Perverted Playlist: Was it a big challenge to play in like a hundred degrees?
John Baizley: Man… I nearly passed out. Really. I was like dazed. My legs were shaking, haha!“

Setlist des Abends in der Räucherkammer. Besonderer Dank geht an die zwei dicken Mädels für die Leihgabe!

Umso bewundernswerter, dass die Jungs es dennoch ohne Ohnmachtsanfälle geschafft haben und das obwohl das Set nicht gerade besonders viel Raum zum Durchatmen ließ. Denn: Trotz des gerade erst veröffentlichten Doppelalbums Yellow & Green (Review auf pervertedplaylist) war der Anteil der davon gespielten Songs eher gering und so bekamen die früheren, härteren Scheiben Red Album und Blue Record naturgemäß mehr Raum. Einerseits sorgte dies natürlich besonders unter den konservativeren Anhängern für teils ausgelassene Stimmung. So kam kurzzeitig so etwas wie fröhliche Eskalation auf und dank einiger besonders akrobatischer Fans floss der Schweiß bald auch von oben.

Ausgelassene Stimmung und abgelassene Körperflüssigkeiten

Andererseits ist es etwas schade, dass das neue Album doch vergleichsweise etwas kurz kam, gerade weil es  bei einigen Songs doch sehr interessiert hätte, wie die Band diese live umsetzt und ob sie überhaupt dazu in der Lage ist (auch wenn daran nicht wirklich zu zweifeln ist).

Die fünf gespielten Songs von Y&G wurden allesamt sehr flüssig und routiniert dargeboten, wobei sich die Band hier und da sogar noch Zeit nahm der Live-Version eine eigene Note zu verpassen (so geschehen bei Cocainium, bei dem das Intro etwas verlängert wurde). Trotz der menschenverachtenden klimatischen Bedingungen kam sogar bei einigen Songs so etwas wie ‚Gänsehautfeeling‘ auf, so zum Beispiel beim perfekt vorgetragenen Eula.

Gegen Ende des Sets verlässt John Baizley mit seiner Gitarre die Bühne und bahnt sich seinen Weg durch die Massen verschwitzter Körper, laut eigener Aussage um die klimatischen  Bedingungen am anderen Ende des Raumes zu erforschen. Sichtlich befriedigt kehrt er von seiner Expedition zurück: Hinten war es nämlich deutlich kühler: Höchstens 37 Grad!

Kurz mal frisch machen… John Baizley beim erquickenden Bad in der Menge

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